Warum darf man während des Hörens nicht lesen, wohl aber malen oder Puzzle legen?
Dass man nicht sprechen sollte während des Hörens, ist den meisten Menschen gut verständlich. Wenn man spricht, muß man natürlich auf sich selbst hören, also seine Gedanken sortieren, formulieren und richtig aussprechen. Dabei werden besonders diejenigen Areale des Gehirns benutzt, die für das Hören zuständig sind. (Zu-)hören und Sprechen sind Aktivitäten, die die gleichen Bereiche des Gehirns nutzen und sich darum gegenseitig weitgehend ausschließen. Zweiflern empfehlen wir einen Selbstversuch: Formulieren Sie einen komplizierten Gedanken und sprechen Sie ihn aus, während Sie gleichzeitig ihrem Gesprächspartner zuhören. Während einer Hörtherapie sollte man deshalb die Gehirnareale zum Hören und Sprechen möglichst wenig zusätzlich beanspruchen. Die Sache mit dem Sprechen ist also leicht einzusehen, aber die Frage zielte nicht auf das Sprechen, sondern auf das Lesen.
Interessanterweise, und für viele vermutlich überraschend, ist es so, dass Lesen eine Form des Sprechens ist. Wenn wir lesen, dann sprechen wir. „Ja, klar“, werden Sie antworten, „wenn ich laut lese.“ Aber auch, wenn Sie nur flüstern beim Lesen, sprechen Sie; wenn Sie nur lautlos die Lippen bewegen, sprechen Sie; und sogar, wenn Sie nur mit den Augen lesen, dann sprechen Sie auch. Das Wort „sprechen“ im letzten Satz meint nicht, dass Sie laut sprechen, sondern dass Sie alle die Nerven in Aktivität versetzen, die auch beim lauten Sprechen aktiv sind. Man hat das mit subtilen Untersuchungsmethoden tatsächlich wissenschaftlich nachgewiesen. Genau dieselben Gehirnareale und Nerven sind aktiv, egal, ob sie laut oder stumm lesen. Deshalb ist Lesen während des Hörens genauso kontraproduktiv wie Sprechen.
Beim Malen, Puzzeln oder Kartenspielen besteht diese Konkurrenz um dieselben Gehirnareale nicht, denn für diese Tätigkeiten sind andere Gehirnareale zuständig.
Zuletzt aktualisiert am 13. 06. 2009 von Atlantis-vzw und Mozart-Brain-Lab Team.
