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Alfred A. Tomatis

Wer war Professor Tomatis?

Alfred A. Tomatis, ein französischer Hals-, Nasen- und Ohrenarzt und Professor der Linguistik, wurde in Nizza am 1. Januar 1920 geboren und starb am 25. Dezember 2001 in Carcassonne. Tomatis war ein visionärer Wissenschaftler, der experimentelle Studien durchführte und den Zusammenhang zwischen Zuhören, Psyche, Gehirn, Stimme und Körper erforschte. Er entwickelte sogar einen neuen Zweig der Wissenschaft: die Audio-Psycho-Phonologie. Als Sohn eines Opernsängers war Tomatis schon früh von allem fasziniert, was mit Stimme und Ohr zu tun hat. Nicht nur das Hören, sagt Tomatis, sondern vor allem das Zuhören ist die Grundlage der Kommunikation mit sich selbst und anderen. Er war der Pionier der Auditiven Hirnstimulation. Sie lässt sich auf ein breites Spektrum von Problemen anwenden, die ihren Ursprung im Gehirn, im Nervensystem, im Körper und/oder in der Psyche haben. Die wissenschaftliche Studie der Universität von Stanford (2016) bestätigt Tomatis' Behauptung, dass der Gemütszustand der Mutter und ihre hierdurch beeinflusste Stimme eine enorme Auswirkung auf die Entwicklung des Kindes im Mutterleib hat.

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Ontmoeting met Alfred Tomatis


Wenn Jozef Vervoort an seine erste Begegnung mit dem HNO-Arzt Dr. Alfred Tomatis in dessen Pariser Praxis im Jahre 1972 zurückdenkt, kommen ihm zwei Bilder in den Sinn: das des asketischen, strahlend jungen Fünfzigjährigen, der von einer starken Aura umhüllt war, und das des ehrfurchtgebietenden Wissens des Mannes, der aus zwei Strichen auf einem Blatt Papier - einem blauen und einem roten - so unwahrscheinlich viel über einen Menschen und seine Gemütslage als Ergebnis eines Horchtests ableiten konnte.
Der Grund für die Reise nach Paris war der Sohn der Familie Vervoort, der aufgrund von Sauerstoffmangel bei der Geburt eine Entwicklungsverzögerung erlitten hatte. Nicht nur der Sohn, sondern auch der Vater und die Mutter wurden einem Horchtest unterzogen. Die Behandlung des Kindes begann am 26. Dezember 1972 und wurde während der Oster- und Sommerferien 1973 fortgesetzt. Dr. Tomatis besaß damals ein eigenes Institut, schrieb Bücher, forschte weiter über das Hören und Sprechen, tüftelte an neuen Geräten und stellte interessierten Ärzten, Therapeuten und Pädagogen fast "nebenbei" Einblicke in die Audio-Psycho-Phonologie bereit, deren Begründer er war. Wenn Tomatis überzeugt war, dass sie genügend Wissen gesammelt hatten, erlaubte er ihnen, das Verfahren als APP-Therapeuten zu praktizieren.
Bis 1976, und lange bevor Tomatis selbst mit seinem Rücktritt dem drohenden Ausschluss aus der französischen Ärztekammer zuvorkam, durfte Audio-Psycho-Phonologie nur unter ärztlicher Aufsicht praktiziert werden. Seine Kollegen Fachärzte waren nämlich der Meinung, er habe zu viel Werbung für seine Therapiemethode betrieben. Tatsache ist: Werbung war und ist für Ärzte verbotenes Terrain. Im selben Jahr musste Tomatis mit ansehen, wie Kollegen und ein ehemaliger Mitarbeiter das nicht patentierte elektronische Ohr verwendeten und ein neues Gerät entwickelten, das billiger angeboten wurde. Der endgültige Bruch kam auf einem Kongress in Antwerpen, der ohne Tomatis stattfand und aus dem eine neue Gruppe hervorging, die nur zwei Jahre lang Bestand haben sollte.

Etwa 15 Unterstützer blieben Professor Tomatis treu. So auch eine Universität in Toronto, Kanada, die in den folgenden Jahren finanzielle Mittel für die weitere Entwicklung der APP bereitstellte. So entdeckte der französische Pionier die Bedeutung von Knochenleitung und Präzession in Nordamerika, wo er neue Geräte und Filter für sein neues elektronisches Ohr entwickelte.
1982 trafen sich die verbliebenen Getreuen sowie Vertreter neuer Zentren wiederum in Paris. Dort erhielten sie Einblick in Tomatis' Forschungsergebnisse und die neuen Geräte. Weltweit entstanden immer mehr neue Zentren und die Zahl der Anhänger seiner Therapiemethode nahm weiter zu. Bis 1996 gab Tomatis sein Wissen auf Konferenzen, Seminaren und Fortbildungskursen weiter.
Im Jahre 1996 zog sich der damals 76-Jährige langsam aus dem Berufsleben zurück. Seine Krankheit veranlasste ihn, sich auf die Suche nach einem Nachfolger zu machen. Sein "Wunschkandidat", der Belgier Jozef Vervoort, lehnte das Angebot zunächst ab; mit der Leitung von vier Grundschulen in Sint-Truiden war er mehr als ausgelastet. Erst 1999 kam das erlösende "Ja" aus Belgien; der kranke Wissenschaftler übergab Vervoort Anfang 2001 all seine Schriften und Aufzeichnungen aus einem langen und erfolgreichen Forscherleben. Die Einweihung eines Museums in Sint-Truiden im Sommer 2002 erlebte Alfred Angelo Tomatis jedoch leider nicht mehr, da er am 25. Dezember 2001 in Carcassonne in Südfrankreich verstorben war.

 

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